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  • Adrian Goeldner

Altruismus - Das Gegenteil von Egoismus?

Aktualisiert: Juli 2


Was bedeutet Altruismus?


Du benötigst eine Definition für Altruismus oder bist hier gelandet, weil dich die Selbstlosigkeit lockt? Vielleicht fragst du dich auch, ob Altruisten nicht sowieso nur Heuchler sind? Natürlich gibt es auch wieder ein paar schlaue Infos aus der Hirnforschung, um beim nächsten Zoom-Meeting bei den KollegInnen mal so richtig angeben zu können. Oder eben altruistisch diese Information zu teilen ;-)


Na dann, auf geht´s in den neuen Blogartikel:


Ein positives Menschenbild, das dich mit Optimismus in die Zukunft blicken lässt.



Beim Blick auf die Nachrichten fällt es leicht, zynisch zu werden: Kinderarbeit und Missbrauch, Krieg und Massenmorde zeigen täglich die hässliche Seite der Menschheit.


Auch die Blutspur, die sich durch die Geschichte zieht, verheißt wenig Hoffnung. Vielleicht ist der Mensch tatsächlich von Grund auf schlecht. Doch was ist mit all den Heldentaten, die Menschen oft völlig uneigennützig für andere vollbringen? Was mit den Gesten der Hilfsbereitschaft und Wohltätigkeit, die uns im Alltag ständig begegnen?


Die Frage, ob der Mensch von Natur aus böse oder gut sei, treibt Philosophen schon seit jeher um. Sie hat bestimmt auch dir schon als Grundlage für hitzige Gespräche mit deinen Freunden gedient. Von uns bekommst du noch mehr Stoff für spannende Diskussionen: Erkunde in diesem Blogartikel die freundliche Seite des menschlichen Wesens und lerne, warum die Evolution das Gutsein begünstigt! Denn Uneigennützigkeit hat auf lange Sicht einen größeren Nutzen als Egoismus. Selbstlosigkeit lohnt sich, und den Altruisten gehört die Zukunft.


In diesem Blogartikel erfährst du außerdem,


  • weshalb Geizkragen ängstlich sind,

  • warum schon Babys diskriminieren und

  • wieso ein Euro nicht mehr wert ist als kein Euro.



Selbstlosigkeit ist allgegenwärtig und im Menschen angelegt.



Jeder ist sich selbst der Nächste. Und das Dasein ist ein Kampf, in dem es - ganz nach Darwins Evolutionstheorie – um das Überleben der Stärkeren geht.


Diese Aussagen über die Natur des Menschen sind düster, aber dennoch sind sie weit verbreitet. Wir finden sie auch als Grundannahmen vieler Wissenschaften. So beschreibt die Verhaltensforschung den Menschen als eigennütziges Wesen. Biologen verstehen uns auf maximale Fortpflanzung programmiert. Evolutionspsychologen glauben an unser Statusstreben, und laut Ökonomen sehnen wir Menschen uns vor allem nach Bequemlichkeit und Wohlstand.


Aber sind wir wirklich so eigennützig? Wie lassen sich all die kleinen und großen Heldentaten erklären, bei denen Menschen ganz ohne den Blick auf ihre eigenen Interessen anderen helfen? Sind sie nur eine Ausnahme? Oder haben sie etwa wirklich das sprichwörtliche Helfer-Gen?



Was bewegte beispielsweise Wesley Autrey dazu, im Jahr 2007 einem wildfremden Epileptiker zu helfen, der vor den einfahrenden Zug einer New Yorker U-Bahn gestürzt war?


Ohne zu zögern, sprang Wesley ins Gleisbett und drückte den zuckenden Mann auf den Boden zwischen die Gleise.


Der Zug rollte über die Männer hinweg, beide blieben unverletzt.


Aber nicht jede selbstlose Tat kommt in die Schlagzeilen. Freundlichkeit und gute Taten sind oft so allgegenwärtig, dass wir sie gar nicht mehr wahrnehmen.



Ein kleiner Tipp: Wenn du mehr gute Nachrichten, als schlechte sehen möchtest, probiere doch mal die App: The Good News aus.

Unser Alltag ist geprägt von kleinen altruistischen Handlungen, die keinen unmittelbaren Nutzen für den Gebenden haben. Warum sollte man im Urlaub sonst Trinkgeld geben, wenn man das Lokal sowieso nicht mehr besucht?

Warum spenden wir Geld für unbekannte Erdbebenopfer?

Warum engagieren sich so viele Menschen ehrenamtlich?

Open-Source-Entwickler machen Programme kostenfrei für alle zugänglich, und auch Wikipedia baut auf die freiwillige und uneigennützige Arbeitskraft seiner Autorinnen und Autoren.


Schnell wird Wohltätern unterstellt, dass sie nur für ihren Stolz oder die öffentliche Anerkennung selbstlos handelten. Sie seien einfach nur heuchlerisch und schlicht auf raffiniertere Weise egoistisch als ihre Mitmenschen. Echten Altruismus gebe es demnach nicht.


Vielleicht hilft eine kurze Begriffsklärung:


Ein Egoist genießt den Nutzen, für den andere zahlen. Ein Altruist hingegen nimmt eigene Kosten in Kauf, um Nutzen für andere zu stiften, ohne direkt eine Gegenleistung zu erwarten. Das heißt aber noch lange nicht, dass sich Altruismus nicht auszahlen darf.


Altruismus ist keine Illusion. Die Geschichte der Menschheit begann mit einer altruistischen Revolution, nämlich als unsere Vorfahren Zusammenarbeit lernten und anfingen, sich umeinander zu kümmern. Nur gemeinsam und über unmittelbare Familiengrenzen hinweg konnten sie in einer Welt überleben, in der die Nahrung knapp war.


Es entwickelte sich ein Kreislauf von Geben und Nehmen, dessen Mechanismen wir uns jetzt näher anschauen wollen.



Wir leben in einem delikaten Kreislauf von Geben und Nehmen.



Altruismus kann nicht einfach als Illusion abgetan werden. Aber die Vorstellung, dass wir eines Tages in einer Welt leben werden, in der Nächstenliebe und Wohltätigkeit allgegenwärtig sind und Egoismus nicht mehr existiert, dürfte genauso irrig sein.


Nähme die Sanftmut überhand, würden die Skrupellosen das schonungslos ausnutzen.


Und umgekehrt ist absolute Ruchlosigkeit zum Scheitern verurteilt, da die Gesellschaft daran zerbrechen würde.


Nur Freundlichkeit könnte sie dann wieder kitten.


Wir leben also in einem delikaten Gleichgewicht aus Kooperationsbereitschaft und dem Streben nach dem eigenen Vorteil, aus Geben und Nehmen.



Die Ik aus Uganda
Volk der Ik im Norden Ugandas - 2005

Was passiert, wenn dieses Gleichgewicht aus den Fugen gerät, veranschaulicht die Geschichte der Ik, eines Volks in Uganda. Mitte der Sechzigerjahre beobachtete ein britischer Anthropologe, wie die Frauen der Ik mit immer weniger Esswurzeln und Beeren nach Hause kamen.

Anfänglich wurde es der Trockenheit zugeschrieben.

Dann erlegten aber auch die Männer immer weniger Wildtiere. Es stellte sich heraus, dass die halb vollen Körbe und die geringe Beute nicht auf die Dürre zurückzuführen waren:


Die Sammlerinnen und Jäger hatten einfach unehrlich gehandelt. Sie hatten in die eigene Tasche gewirtschaftet und nicht, wie üblich, alles in der Gemeinschaft geteilt.


Infolge dieses Vertrauensbruchs wurde gemeinsames Jagen unüblich. Die Familien verschanzten sich und zeigten kein Interesse mehr an ihren Nachbarn. Sie glaubten nicht mehr, dass es sich lohne, mit anderen zu teilen, und isolierten sich zunehmend.


Ihre Ernährungslage verschlechterte sich. Es war eine Abwärtsspirale in Gang gekommen, die demonstrierte, was Forscher als reziproken Altruismus bezeichnen: Wir geben wenig, wenn wir wenig bekommen. Wir geben viel, wenn wir viel bekommen. Reziproker Altruismus spekuliert auf einen Handel:


Heute helfe ich dir, morgen hilfst du mir.

Das funktioniert aber nur auf der Basis von Vertrauen. Ist das Vertrauen gebrochen, dann sagt uns der Verstand, dass es nicht vernünftig ist, etwas zu geben.


Die Ik verhielten sich ganz im Sinne der sogenannten Spieltheorie. Nach der Spieltheorie, die durch mathematische Berechnung ableitet, wie rationales Entscheidungsverhalten in sozialen Konfliktsituationen aussehen dürfte, müssen wir eiskalte Rechner sein, um den größten Nutzen für uns herauszuschlagen.


Und die Vernunft sagte den Ik, dass Kooperation nichts bringt.


Aber Vertrauen, Zusammenarbeit und Solidarität sind Aspekte, die sich nicht in eine Kosten-Nutzen-Formel pressen lassen. Die Ik brauchten in ihrer Existenznot letztlich Hilfe von außen.


Es kann also sinnvoll sein, Vertrauen über den Verstand zu stellen und anders zu handeln als das Volk der Ik, das sich zu einer Ansammlung von Individualisten entwickelte.


Vertrauen ist wichtiger als Verstand und bringt Erfolg.



Man erfasst das Wesen des Menschen nicht, wenn man, wie es beispielsweise Ökonomen tun, vom Menschen als Homo oeconomicus ausgeht, um wirtschaftliche Vorgänge zu analysieren. Dieser ausgedachte Repräsentant, der stur der Logik folgt und beispielsweise für Lohn alles tut und ohne Lohn nichts, wäre wirklich unheimlich. (Womit ich nicht sagen möchte, dass es diesen Charakter nicht gibt ;-) ).


Alte und kranke Menschen müsste ein solcher Nutzenmaximierer beispielsweise ihrem Schicksal überlassen – etwas, was die Ik tatsächlich taten. Die Mehrheit der Menschen handelt aber oft nicht so berechenbar wie ein Homo oeconomicus.


Im Kernspintomografen lässt sich durch die bildliche Darstellung des Gehirns sehen, dass bei Menschen, die sich solidarisch zeigen, Zentren im Hirn aktiv sind, die für gute Gefühle sorgen. Zusammenarbeit macht also glücklich.


Und mehr noch: Was wir gemeinsam schaffen, beglückt uns mehr als Erfolge, die wir alleine oder gegen jemanden erzielen.


Das Gehirnsystem, das dafür verantwortlich ist, gehört evolutionär zu den ältesten, ist also schon lange prägend für das Denken und Fühlen der Menschen: das sogenannte Belohnungssystem.


US-amerikanische Erziehungswissenschaftler fanden außerdem heraus, dass Studierende, die ihren Kommilitonen vertrauen, in Prüfungen besser abschneiden als argwöhnische Zeitgenossen. Sie sind offensichtlich besser zur Zusammenarbeit in der Lage, geben Informationen großzügig weiter und lernen mehr.


Auch der Wohlstand eines Landes lässt sich zumindest teilweise daraus erklären, wie sehr die Menschen dort einander vertrauen. Bürgerinnen und Bürger aus 37 Nationen sollten für eine Studie aus dem Jahr 2003 die Frage beantworten, ob man ihrer Meinung nach den meisten Menschen vertrauen könne.


  • In Norwegen glaubten das 65 Prozent.

  • In Peru stimmten hingegen nur 5,5 Prozent zu.

  • Deutschland lag im Mittelfeld: 35 Prozent vertrauten den meisten Menschen.


Nun liegt die Annahme nahe, dass eine florierende Wirtschaft für einen Vertrauensvorschuss sorgt. Die Autoren der Studie kamen aber zum umgekehrten Schluss: Es ist schlicht leichter, Geschäfte zu machen und zu investieren, wenn man einander vertraut. Die Autoren stellten sogar eine Faustregel auf: Steigt die Zahl der Menschen, die ihren Mitmenschen vertrauen, dann schlägt sich das im Wirtschaftswachstum nieder.


Wenn von hundert Menschen sieben mehr Vertrauen fassen, führt dies zu einem Prozentpunkt mehr Wachstum pro Jahr. Vertrauen ist also ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg und zum Glück.


Aber wie entsteht Vertrauen? In einem Vertrauensspiel fielen Paare besonders positiv auf, die zu Beginn des Spiels die Glaubwürdigkeit ihres ihnen unbekannten Spielpartners genau testeten. Hatten sie das Gefühl, verstanden zu haben, wie der andere tickt, lehnten sie sich zurück.

Sie mussten ihr Gehirn weniger anstrengen als misstrauisch gebliebene Paare. Sie konnten den nächsten Zug des Partners voraussagen und empfanden Sympathie für jemanden, den sie nie zuvor getroffen oder gesehen hatten.


Hilfsbereitschaft setzt soziale Intelligenz voraus.



Mit dem Vertrauen hadern besonders Menschen, die Probleme damit haben, andere Menschen zu deuten und zu verstehen. Schnell kommt dadurch eine Misstrauensspirale in Gang: Denn nun wird ihnen wiederum ebenfalls weniger vertraut.


Das ist ein Problem, das in dem eben erwähnten Vertrauensspiel besonders Teilnehmer mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung betraf. Sie waren aufgrund ihrer psychischen Erkrankung, die häufig mit Stimmungsschwankungen, Impulsivität und einer gestörten Selbstwahrnehmung einhergeht, in vielen Fällen nicht in der Lage, das Verhalten ihres Partners richtig zu interpretieren.


Zeigte sich dieser verärgert, so zogen sich die Borderliner aus der Zusammenarbeit zurück, statt es mit Besänftigung zu versuchen und die für beide profitable Zusammenarbeit wieder in Gang zu bringen.


Für unsere Fähigkeit zur Kooperation braucht es die Fähigkeit zur Empathie.


-> Ohne Mitgefühl wäre Hilfsbereitschaft nicht denkbar.


Mitgefühl ist keine Fähigkeit, die wir – anders als früher angenommen – mühsam erlernen müssen. Sie entsteht unwillkürlich, denn unser Gehirn ist von Natur aus empathisch. Das verdanken wir den Spiegelneuronen.


Wenn wir sehen, dass ein anderer Mensch Schmerz erleidet, reagiert unser Gehirn ähnlich, als wäre auch unser Körper von diesem Schmerz betroffen. Und auch Gähnen, Angst oder ein bezauberndes Lächeln sind dank der Spiegelneuronen ansteckend. Der evolutionäre Nutzen hiervon liegt auf der Hand: Ohne viel Nachdenken können wir beispielsweise schneller auf Gefahren reagieren, wenn ein Gefährte in Panik gerät.


Je besser wir uns selbst kennen, desto besser funktionieren die Empathie und der damit verbundene Perspektivwechsel.


Jetzt wirds spannend:


Bis zum Alter von achtzehn Monaten schauen Babys auf ihr Spiegelbild und glauben, dort ein anderes Kind zu sehen. Bei einer Untersuchung von 126 Mädchen und Jungen zeigten sich ausschließlich die Kinder, die sich vorher im Spiegel erkannt hatten, hilfsbereit.

Die Kinder, die ratlos ihrem eigenen Gesicht gegenüberstanden, waren ebenfalls ratlos, wenn ihr Spielgefährte Hilfe brauchte. Ließ der Versuchsleiter einen Stift fallen, an den nur die Kinder herankommen konnten, halfen - übrigens ganz von selbst und ohne Aufforderung - nur die Kinder, die zuvor den Spiegeltest gemeistert hatten.


Wenn wir mit anderen mitfühlen, dann vollführen wir einen Rollentausch. Es findet eine Entgrenzung des Ichs statt. Wir sehen uns selbst in der anderen Person und verstehen einander besser. So lassen sich Probleme konstruktiv durch Zusammenarbeit lösen. Wer den anderen nicht versteht, steht vor einem Rätsel ohne Lösung. Ausgeprägter Egoismus wäre demnach eine Form emotionaler und geistiger Beschränktheit.


Hilfsbereitschaft hingegen setzt ein hohes Maß an sozialer Intelligenz voraus.


Wer sich übrigens für emotionale Intelligenz interessiert, dem empfehle ich das wunderbare Werk von Daniel Goleman "Emotionale Intelligenz". So ein spannendes Thema!

Soziales Verhalten macht glücklich und gesund.



Ob bei der Kinderbetreuung, im Umgang mit einer langjährigen Freundin oder mit unserem geliebten Haustier: Unser empathisches Gehirn wird von Hormonen unterstützt.


Besonders Vasopressin und Oxytocin sind hier nennenswert. Vasopressin wird dabei vor allem bei Männern, Oxytocin vor allem bei Frauen vom im Zwischenhirn befindlichen Hypothalamus produziert.

Diese Botenstoffe sorgen für ein Hochgefühl beim Sexualakt. Sie sorgen aber auch ganz allgemein für das Gefühl von Bindung, Fürsorge und Harmonie.


Oxytocin wird beispielsweise verstärkt ausgeschüttet, wenn eine Mutter ihr Baby stillt. Blockiert man bei Ratten dieses Hormon, fressen sie ihre Babys auf- und behandeln sie damit wie fremden Nachwuchs.


Diese Hormone sind stets im Spiel, wenn sich Menschen altruistisch und kooperativ verhalten.


-> Oxytocin löst Angst und vermindert Stressreaktionen.


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Die angstlösende Wirkung von Oxytocin deutet auf einen weiteren Zusammenhang hin, der sich auch in Versuchen abzeichnet: Menschen dürften sich nicht aus Mangel an Mitgefühl geizig verhalten, sondern aus Angst. Verabreicht man ihnen Oxytocin, werden diese Menschen sorgloser und zugleich großzügiger.


Und Großzügigkeit zahlt sich aus. Denn Menschen, die geben, werden glücklicher. Im Gehirn sind dann dieselben Hirnareale aktiv, die auch aktiv sind, wenn wir ein Geschenk erhalten. Das Belohnungssystem löst Lustgefühle aus.


Und dieses Glück hat nichts damit zu tun, dass wir insgeheim darauf hoffen, unsere Großzügigkeit werde sich später auszahlen. Denn die Freude ist sogar messbar, wenn wir nur dabei zusehen, wie jemand etwas geschenkt bekommt.


Soziales Verhalten macht nicht nur glücklich, sondern auch gesund. Die glücklich machenden körpereigenen Opioide, wie Endorphin und das stressmindernde Oxytocin, sind ein unschlagbares Team. Sie dämpfen die Ausschüttung des Stresshormons Cortisol und beugen so Herz-Kreislauf-Erkrankungen vor. Das Immunsystem wird gestärkt.


Da überrascht es nicht, dass intensive soziale Beziehungen das Sterberisiko in jeder Altersgruppe halbieren.

Das liegt neben den Hormonen auch daran, dass jemand mit einem gesunden sozialen Umfeld besser für sich selbst sorgt.


Anders, als man annehmen könnte, liegt die höhere Lebenserwartung nicht an größerer Unterstützung aus dem Umfeld. Mit anderen Worten: Nicht was wir von anderen bekommen, sondern was wir geben, lässt uns länger leben. Langzeitstudien bestätigen dies: Je mehr sich alte Menschen um andere kümmern, desto länger leben sie. Hilfsbereitschaft zahlt sich in Lebensjahren aus.


Selbstlosigkeit dürfte evolutionär auch bei der Fortpflanzung von Vorteil gewesen sein. Wichtig dabei: Als unsere Urahnen begannen, zu teilen und zusammenzuarbeiten, half dies, uns zu Wesen mit großen Gehirnen zu machen. Es war ein wichtiger Schritt, der uns von anderen Geschöpfen unterscheidet, denn im Tierreich gibt es keinen echten Altruismus.


Erst der Altruismus machte uns zum Menschen.


Wir verfügen von klein auf über einen starken Gerechtigkeitssinn.



Als die Menschen vor 70.000 Jahren aus Afrika in den Rest der Welt zogen, konnten nur die Clans überleben, die gelernt hatten, füreinander einzustehen. Es kam damals zu einem dramatischen Populationszusammenbruch. Wer dem etwas entgegensetzen und es durch diesen Flaschenhals der Geschichte schaffen wollte, musste zusammenhalten, Tauschhandel betreiben und sich intensiv um die Nachkommen kümmern.


Die gemeinsame Brutpflege gewann an Bedeutung und prägte die Menschen. Während sich bei fast allen wild lebenden Affen nur die Mutter um ihren Nachwuchs kümmert, wird ein Menschenkind von vielen Personen umsorgt. Schon früh trainiert es so seine soziale Intelligenz und auch seinen Gerechtigkeitssinn.


Ein zweijähriges Kind mag noch nicht einsehen, warum es die heiß geliebten Gummibärchen teilen und etwas abgeben sollte. Aber vor die Wahl gestellt, ob nur man selbst oder auch der Spielgefährte ein Gummibärchen essen darf, entscheiden sich Kinder schon in diesem Alter für Gerechtigkeit und je ein Gummibärchen.


Wie ausgeprägt unser Gerechtigkeitssinn ist, untersuchte der in Jena forschende Ökonom Werner Güth im Jahr 1981.


Er entwickelte das sogenannte Ultimatumspiel.


Stellen wir uns vor: Ein Unbekannter schenkt uns 1000 Euro, allerdings nur unter der Bedingung, dass wir etwas abgeben und der von uns Beschenkte das Geld auch annehmen muss. Wie viel sollen wir abgeben? Würden wir uns nach den Regeln des Homo oeconomicus verhalten und den maximalen Vorteil suchen, müssten wir 999 Euro für uns behalten.


Und der zweite Beschenkte müsste sich mit einem Euro zufriedengeben. Ein Euro ist doch besser als keiner, oder?


Doch so ticken wir nicht. Wir wissen, dass sich der zweite Empfänger wahrscheinlich nicht mit einem Euro abspeisen lässt.


Wie also entscheiden? Die meisten Versuchsteilnehmer bieten zwischen 400 und 500 Euro an. Und sie tun gut daran, denn bei einer Summe unter 300 Euro lehnt schon die Hälfte der Zweitbeschenkten ab und straft damit zwar sich selbst, aber eben auch den Geiz des anderen Versuchsteilnehmers.


Die Lehre hieraus: Wir verlangen nach Gerechtigkeit, auch wenn wir uns damit ins eigene Fleisch schneiden.


Wir sind also kein Homo oeconomicus, sondern vielmehr ein Homo reciprocans. Das heißt, dass wir das Verhalten unseres Gegenübers spiegeln. Wer Menschen zur Großzügigkeit anregen möchte, sollte ihnen also das Gefühl geben, dass sie von Altruisten umgeben sind. Das wissen Pfarrer, die ihren Klingelbeutel schon gut gefüllt durch die Kirchenbänke reichen, ebenso wie Straßenmusiker, die ihr Konzert mit Münzen im Hut starten. Wie aber funktioniert Altruismus in einer Gemeinschaft?




„Zahle genug oder gar nicht.“ - Uri Gneezy, Wirtschaftswissenschaftler




Die Abgrenzung von anderen stärkt die Selbstlosigkeit innerhalb der eigenen Gruppe.



Damit ein Team gut abschneidet, muss es zusammenarbeiten können. Stellen wir uns eine Fußballmannschaft mit elf Egomanen vor, die alle mit dem Ball zaubern können wie ein Cristiano Ronaldo. Die Siegeschancen stünden schlecht für diese Elf. Man braucht neben Stürmern eben auch Verteidiger und Spielmacher im Team.


Weil sich altruistisch geprägte Gruppen also gegenüber egoistischen Verbänden durchsetzen, verbreitet sich Selbstlosigkeit in der Welt. Unter einer Bedingung: Der Wettbewerb zwischen den Gruppen muss stärker sein als der innerhalb der Gruppen.


Diese Dynamik untersuchte schon in den Fünfzigerjahren der Wissenschaftler Muzafer Sherif. Er hatte als Kind den Griechisch-Türkischen Krieg (1919-1922) hautnah erlebt und sich schon damals gewundert: Wie konnten Menschen so mitfühlend und selbstlos und zugleich so bestialisch und grausam sein? Wie passten Zerstörungswut und Rachsucht gegenüber Feinden mit der unbedingten Kameradschaft und Aufopferungsbereitschaft in den eigenen Reihen zusammen?


Für seinen Versuch stellte Sherif zwei Gruppen mit je elf elfjährigen Jungen zusammen und fuhr mit ihnen in ein Ferienlager. Ihre Zelte schlugen die beiden Gruppen voneinander entfernt auf. Nach einer Woche hatten sie sich jeweils zu einer eingeschworenen Gemeinschaft entwickelt und ihren Stämmen auch Namen gegeben.


Die eine Gruppe nannte sich Klapperschlangen, die andere Adler.


Klapperschlangen und Adler konnten sich nicht ausstehen und beschimpften sich bei jeder Gelegenheit. Ein geplantes Versöhnungsessen endete mit einer Rauferei.

Je größer die Feindschaft zwischen den Gruppen wurde, desto mehr wuchs die Selbstlosigkeit innerhalb der Gruppen. Besonders die Kinder, die zuvor in der Hackordnung der eigenen Gruppe weiter unten standen, engagierten sich mit besonderem Einsatz für „ihre“ Leute. Der Versuch zeigte, dass ausgeprägte Gruppenbildung Konflikte anheizt. Es braucht nicht unbedingt einen psychopathischen Führer, der alle zu Mord und Totschlag verführt.


Ob ein Keuschheitsgelübde, ein Initiationsritus oder besondere Ernährungsregeln: Riten und Regeln zementieren die Grenzen zwischen der eigenen Gemeinschaft und den anderen.


Es scheint Teil unserer Natur, schon früh zwischen Freund und Feind, uns und den anderen zu unterscheiden. Bereits im Alter von fünf Monaten zeigen Babys diskriminierendes Verhalten. Sie bevorzugen Menschen, die ihre Muttersprache sprechen. Aber bitte akzentfrei!

Denn auch das merkt das Baby schon. Es nimmt ein Kuscheltier lieber von einem Muttersprachler an als von einem Menschen, der die Sprache erst als Erwachsener gelernt hat.


Erst mit einem Trick konnte Muzafer Sherif die Versöhnung zwischen Klapperschlangen und Adlern herbeiführen: Er manipulierte die Wasserversorgung. Nur gemeinsam konnten die beiden Teams das Problem lösen. Das übergeordnete Ziel sorgte dafür, dass sie ihren Kleinkrieg beilegten und zusammenarbeiteten.


Es gibt keine Retter-Persönlichkeit.



Loyalität und Solidarität sind besonders innerhalb der eigenen Familie, der eigenen Gruppe, des eigenen Landes ausgeprägt.


Es gibt in der Geschichte aber auch genug Beispiele für Menschen, die sich über sämtliche Gefahren hinweg für andere einsetzten, die sie gar nicht oder nur kaum kannten. Welche Charakterzüge oder Lebensgeschichten brachten einige Menschen beispielsweise dazu, beim Holocaust nicht wegzuschauen und stattdessen Juden zu verstecken oder ihnen auf andere Weise zu helfen?


Auf der Suche nach Erklärungsmustern sprach der Soziologe Samuel Oliner ausführlich mit 230 Menschen, die Juden vor den Gaskammern gerettet hatten.


Ihre Biografien glich Oliner mit Menschen ab, die hätten helfen können, sich aber dagegen entschieden hatten. Nach jahrzehntelangen Gesprächen und Analysen kam Oliner zu dem Schluss, dass es keine Retter-Persönlichkeit gibt.


Die Beweggründe für die Hilfsbereitschaft waren so vielfältig wie die Menschen, mit denen er sprach. Die Brutalität der Verfolgung, der Anblick eines Opfers, eine religiöse oder moralische Überzeugung oder die politische Einstellung hatten die Helfer zum Handeln bewegt. Es waren Motive, die auch die Untätigen hätten vorbringen können. Sie hatten sich aber dazu entschieden, wegzuschauen.


Die Helfer waren nicht ungewöhnlich einfühlsam, hatten keine besonderen Lebensgeschichten und waren auch nicht überdurchschnittlich intelligent. Vielmehr waren es gewöhnliche Menschen, die Außergewöhnliches taten.


Ein Unterschied trat jedoch zutage, wenn es um ihre ethischen Prinzipien ging: Wenn ein Mensch Unterstützung braucht, dann soll er diese bekommen, so das Credo vieler Retter. Während die Untätigen die Juden eher als andere wahrgenommen haben, betonten die Retter mehr die Ähnlichkeiten mit den Verfolgten.


Die Helfer der Juden im nationalsozialistischen Deutschland waren ihrer Generation in gewisser Weise voraus. Sie scherten sich weniger um traditionelle Bindungen in einer Gruppe. Sie vertraten damit etwas, was in der modernen Welt immer mehr an Bedeutung gewonnen hat: altruistische Normen, die über die eigene Gruppenzugehörigkeit hinausgehen. Die Globalisierung befördert diese Einstellung.


Die Annahme, dass wir in einer zunehmend egoistischen Gesellschaft leben, stimmt also nicht. Vielmehr handelt es sich um eine verstärkt individualistische Gesellschaft, in der Menschen Teil ganz vielfältiger Gruppen sind, vernetzt mit der ganzen Welt: sei es mit der digitalen Yoga-Klasse, mit den Social-Media-Freunden von der vergangenen Rucksackreise durch die Anden oder mit dem Elternbeirat einer internationalen Schule. Wer die ganze Welt als seinen Nachbarn wahrnimmt, ist eher bereit, gemeinsam zu handeln. Und das wird immer dringender nötig.




„Liebe deinen Nächsten, denn er ist wie du.“

– Martin Buber, Religionsphilosoph



Wir brauchen globalen Altruismus, um aktuelle Krisen zu bewältigen.




Zusammenarbeit im globalen Maßstab war nie so wichtig wie heute. Wir stehen vor Herausforderungen, die Menschen nicht bewältigen können, indem sie aufwendige Barrieren errichten, um beispielsweise Wissen für sich zu behalten oder Wohlstand zu horten. (Hier gehts zur tollen Arte-Doku "Mehr Sinn statt Gier")


Die Finanzkrise 2008 zeigte, wie schnell egoistisches Verhalten und Gier immensen Schaden anrichten können. Privatpersonen, Banken und ganze Staaten hatten sich von der Norm verabschiedet, nicht über ihre Verhältnisse zu leben. Das ging glatt, solange die Akteure einander vertrauten.


Als dieses Vertrauen wegbrach, kam eine Spirale des Vertrauensverlustes in Gang, die Auswirkungen weit über den Finanzsektor hinaus hatte.


Unkontrollierbare Flüchtlingsströme, Kriege um Ressourcen und die ungebremste Erwärmung unseres Planeten wären die Folge eines Scheiterns globaler Zusammenarbeit. Die Lösungen für diese Probleme liegen nicht mehr bei einzelnen Personen, Gruppen oder Staaten - wir müssen global denken. Forschen zwei Wissenschaftler am selben Thema, tun sie gut daran, ihr Wissen auszutauschen und zu kooperieren, um schneller zu Ergebnissen zu kommen.


Aber wir dürfen optimistisch sein: Nie waren wir altruistischer.


Menschen haben noch nie so freizügig über alle Grenzen hinweg geteilt. Je mehr die Menschen weltweit voneinander wissen, desto mehr stellen sie fest: Gemessen an den Gemeinsamkeiten, sind die Unterschiede zwischen uns doch gering.


Deshalb ergibt es Sinn, mit Menschen so umzugehen, wie auch wir behandelt werden wollen. Wir verstehen, dass das Leben kein ständiger Konkurrenzkampf und andauernder Wettbewerb ist. Und das Beste: Wir merken, dass Geld nicht alles ist. Oft steht es uns sogar im Wege.


Die Belohnung guter Taten mit Geld untergräbt den guten Willen der Menschen. In England nahm beispielsweise in den Sechzigerjahren die Zahl der Blutspenden ab, als einige Gesundheitsdienste zur Bezahlung übergegangen waren.


Auch wer seine Kinder mit extra Taschengeld für Haushaltsdienste locken möchte, wird sich selbst ins Fleisch schneiden. Bald werden selbstverständliche Tätigkeiten im Haushalt nur noch gegen Entlohnung gemacht. Die Qualität der bezahlten Hausarbeit leidet auch.


Mit Anerkennung und Lob lassen sich Kinder besser motivieren. Und auch Erwachsene mögen keine Vergütung ihrer guten Taten, denn so werden freiwillige Dienste zur Pflicht und zur schlecht bezahlten Arbeit. Und das widerstrebt unserem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn.


Gier hat ihren evolutionären Sinn verloren. In entwickelten Ländern führt mehr Besitz nicht zu besseren Fortpflanzungschancen. Egoismus schafft keinen Vorteil. Im Gegenteil: Altruisten sind glücklicher und leben länger. Und Altruismus ist ansteckend. Wohlwollen und Hilfsbereitschaft erzeugen mehr Wohlwollen und Hilfsbereitschaft. Auch wenn die Aussichten noch so düster scheinen – Altruisten gehört die Zukunft.


Übrigens:


Soziologen haben berechnet,

dass jeder zufriedene Freund

unser Wohlbefinden

um durchschnittlich neun Prozent steigert.

Die Kernaussage dieses Blogartikels lautet:


Immer nur an sich selbst denken, in die eigene Tasche wirtschaften und der Gemeinschaft nichts geben wollen: Das ist eine Haltung, die sich auf lange Sicht nicht bewährt. Sie wurde auch evolutionär nicht begünstigt. Denn im Kampf ums Überleben hatten letztlich mitfühlende, gutmütige und hilfsbereite Menschen die besseren Karten. Und noch heute gilt: Mit Altruismus lässt sich mehr erreichen. Neben Glück und einem längeren Leben können wir durch Selbstlosigkeit einen Weg finden, die großen Krisen unserer Zeit gemeinsam zu bewältigen.



Adrian Göldner Altruismus

Als ich letztes Jahr gegründet habe, war mir von Anfang an klar, dass ich etwas zurück geben möchte. 🙏


Aus dem Grund geht ein fester Prozentsatz jedes Verkaufes an die Deutsche Depressionshilfe und die Deutsche Angst-Hilfe und damit auch in die Forschung von mentalen Erkrankungen.


Dadurch habe ich die Möglichkeit mit meinem wissenschaftlich fundierten Online Programm nicht nur aktiv, sondern auch passiv zur Bekämpfung dieser Krankheitsbilder beizutragen. ☺️🙏

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